Wie drei Schwestern, die nicht zur Schule gegangen sind, es geschafft haben, die klügsten Frauen der Welt zu werden

Ihr Vater hatte sich einst vorgenommen, Genies zu erziehen. Laszlo Polgars Töchter wurden in der ganzen Welt als die stärksten Schachspielerinnen berühmt. Häusliche Erziehung und Bildung, sehr frühe und intensive Förderung, Koordination beider Elternteile und ein warmes familiäres Umfeld erwiesen sich als ihr Erfolgsrezept.

Schwestern Zsuzsanna, Sofia und Judit

Judit Polgar, die jüngste der berühmten Schwestern, gewann schon vor ihrer Volljährigkeit Turniere mit den besten Schachspielern der Welt. Eben Schachspielern, ohne das Femininum: Judit spielte immer, mit einer seltenen Ausnahme, in Männerturnieren.

Mit 15 Jahren und 5 Monaten erlangte sie den höchsten Schachtitel – Großmeister und brach damit Robert Fischers Rekord von dreiunddreißig Jahren: Fischer war zum Zeitpunkt der Titelvergabe einen Monat älter.

Judit Polgar festigte ihren Erfolg Schritt für Schritt, gewann Turniere und besiegte Champions – darunter Anatoly Karpov und Garry Kasparov. Judith gilt als die beste Schachspielerin der Geschichte und ist eine der zehn besten Großmeister der Welt.

Ihre ältere Schwester, Susan oder Zsuzsanna (Zsuzsa) wurde 1996 Schachweltmeisterin (sie gewann die Frauenmeisterschaft). Der Titel des Herren-Großmeisters wurde Zsuzsa im Alter von zweiundzwanzig Jahren verliehen.

Auch die mittlere Schwester, Sofia, hat ihren Namen in die Schachgeschichte geschrieben. Sofia ist Internationale Meisterin bei den Männern, einen Titel, den sie seit 1990 (also seit ihrem sechzehnten Lebensjahr) trägt, und Großmeisterin bei den Frauen, und sie hat erfolgreich an großen internationalen Schachwettbewerben teilgenommen.

Jede dieser Biografien verdient Aufmerksamkeit und vielleicht auch Bewunderung – die Leidenschaft für ihre Karrieren hat den Polgars-Schwestern in ihren klassischen “weiblichen” Rollen nie geschadet: Alle drei haben Familien gegründet und nach eigenem Gutdünken die Rollen von Mutterschaft und Hausfrau übernommen.

Das Schachspiel wurde jedoch nicht vergessen: Susan ist als Trainerin und Pädagogin tätig, Sofia zieht mit ihrem Großmeister-Ehemann Kinder groß, Judit hat sich vom Großschach zurückgezogen und ist ebenfalls mit ihrer Familie beschäftigt, aber ansonsten widmet sie sich dem Unterrichten und dem Schreiben von Büchern.

Die Errungenschaften dieser erstaunlichen Schwestern erwiesen sich als das Ergebnis einer speziellen, innovativen Erziehungs- und Trainingsmethode, die ihr Vater, Laszlo Polgar, entwickelte.

“Das Bildungsexperiment”

Seine Kinder zu Genies zu erziehen, beschloss Laszlo Polgar schon vor ihrer Geburt – ja, sogar vor seiner Heirat, die 1967 aus einer “Brieffreundschaft” resultierte. Laszlo Polgar wurde 1946 in einer jüdischen Familie geboren.

Schon in recht jungem Alter, beim Studium der Biografien von Denkern und Wissenschaftlern der Vergangenheit, kam Polgar zu dem Schluss, dass jedes Kind – vorausgesetzt, es wird gesund geboren – zu einem Genie erzogen werden kann.

Polgar studierte Pädagogik und Philosophie an der Universität, besuchte Psychologiekurse, lernte Esperanto und unterrichtete sich selbst in der High School.

László Polgars Freundin war Klara Altberger, eine Bewohnerin der transkarpatischen Region der Ukrainischen SSR, ebenfalls Lehrerin, die die Ansichten ihres Mannes über Pädagogik und Erziehung teilte.

Die erstgeborene Tochter des Paares, Zsuzsa, wurde 1969 geboren. Das Mädchen wurde, wie später auch ihre Schwestern, von klein auf in Fremdsprachen unterrichtet, darunter auch in Esperanto, einer Kunstsprache.

Schon mit vier Jahren lernte sie Schach zu spielen, und bevor sie fünf war, gewann sie bereits ihre ersten Turniere und schlug ihren Vater, ihren Lehrer.

László und Klara waren die Anhänger des Heiminterrichts – und das war in jenen Tagen nicht einfach. Sie mussten die Erlaubnis der Behörden einholen – aber die Polgars waren erfolgreich.

Im Jahr 1974 wurde Sofia in die Familie geboren, zwei Jahre später folgte Judit. Wie ihre ältere Schwester wurde auch sie zu Hause unterrichtet und spielte von klein auf Schach. Dann war es Zeit für Turniere – wobei Polgar darauf bestand, dass die Mädchen an “Männer”-Turnieren teilnahmen.

Die Glücksformel der Familie Polgar

Polgar stellte in seinen Büchern auch die These auf, dass Talent in einem Kind erzogen werden kann. Ein Genie zu erziehen – mit der richtigen Motivation, indem man dem Kind Disziplin, die Gewohnheit harter Arbeit und die Bereitschaft, seine Ziele zu erreichen, einflößt – ist nach der Version des ungarischen Lehrers eine durchaus machbare Aufgabe für Eltern eines Kindes aus der zivilisierten Welt.

Er nennt “Arbeit, Liebe, Freiheit und Glück als die Komponenten der Glücksformel und bemerkt, dass das Glück diejenigen liebt, die hart arbeiten.

Laszlo Polgar war einer von denen, dank denen die Stereotypen über die untergeordnete Rolle der Frauen nicht nur im Schach, sondern auch im intellektuellen Leben der Gesellschaft im Allgemeinen, der Vergangenheit angehören.

Quelle: kulturologia.com

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