Die erste menschliche Zuwendung und Fürsorge im Leben eines Kätzchens

Katzenmädchen Maulwurf hatte sich nicht daran gestört, dass sie gerade eben in ihrem Katzenleben fast vom Rad eines Kinderwagens überrollt und dann mit ihrem Stiefel auf den zierlichen Damenfuß der Kinderwagenbesitzerin getreten worden war. Offenbar kannte das Mädchen, das den Wagen vor sich herschob, keine anderen Möglichkeiten, das Hindernis aus dem Weg zu räumen. Und das Schicksal des kleinen pelzigen Klumpens war ihr gleichgültig.

Smudge seufzte und wanderte davon. Sie machte sich keine Illusionen über ihr Aussehen: Egal, wie sehr sie ihre schlammverschmierten Pfoten leckte, egal, wie sehr sie versuchte, den Sand und den Schmutz aus ihrem Fell zu schütteln, es war schwer, sie von dem verdorrten Herbstgras und den gefallenen Blättern zu unterscheiden. Ein schmutziger Fellklumpen im Straßenmüll – wer könnte sich für sie interessieren?

Das Letzte, womit sie gerechnet hatte, war, dass Anya, eine sehbehinderte Großmutter, der man tägliche Spaziergänge an der frischen Luft verordnet hatte, sie in dieser tristen Herbstkulisse sehen würde. Um ehrlich zu sein, hätte Großmutter Anya sie auch nicht bemerkt – aber eine freche und faule Herbstfliege hatte sich auf dem Ohr von Blur niedergelassen, der regungslos auf dem Rasen lag. Es begann zu kitzeln – und das Ohr zuckte reflexartig – was den Fleck auf Oma Anya aufmerksam machte. Das Kätzchen war so dünn, erbärmlich und verkümmert, dass das Herz der alten Frau zitterte.

Die Frau hockte sich auf ihre angewinkelten Beine, strich mit der Handfläche über das Kinderbett, richtete sich auf und begann es zu streicheln. Und da habe ich es gehört:

– Guten Tag, Anna Wassiljewna.

Nur ihre ehemaligen Schüler nannten sie immer bei ihrem Vornamen und Vatersnamen. In der Tat: Als Großmutter Anya aufblickte, sah sie einen von ihnen. Erschöpft, versteht sich. Kolja. Nicht zu meinen Favoriten. Eher unsympathisch wegen seiner Gerissenheit, Habgier und allgemeinen Unehrlichkeit, wie sie ihn aus seiner Schulzeit in Erinnerung hatte. Aber vielleicht ändern sich die Menschen? Da steht er – wunderschön. Gepflegt, in einem teuren Anzug. Und es ist nicht das billigste Auto, aus dem Sie gerade ausgestiegen sind! Der Junge blickte neugierig auf seine ehemalige Lehrerin und das gemarterte Kätzchen in ihren Armen.

– Haben Sie eine Katze? – fragte er schließlich.

– Wo soll ich sie aufziehen, Kolya? Wird sie mich überleben, und was wird dann mit ihr geschehen?

– Nun, Anna Vasilna! Du hast noch einen langen Weg vor dir“, schmeichelte Nikolai ihr. In der Zwischenzeit betrachtete er das Kätzchen in den Armen der Frau mit einer leichten Scheu. Andere Emotionen wurden von dem Tier nicht hervorgerufen. Aber aus irgendeinem Grund wollte er sich plötzlich vor seinem Lehrer von seiner guten Seite zeigen.

– Wie wäre es, wenn ich das Kätzchen nehme? – schlug er mit gespielter Begeisterung vor. Anna Wassiljewna reichte ihrem ehemaligen Schüler verwirrt das Löschblatt, und er eilte mit großen Schritten zu seinem in der Nähe geparkten Auto.

Doch bevor er sie erreichte, hielt er abrupt an, als ob er stolpern würde, ließ das Kätzchen auf den Rasen fallen, wischte sich hastig die Hände mit einer Serviette ab, riss die Tür auf, setzte sich hinter das Steuer, gab Gas und verlor sich im Straßenverkehr. Der Fleck blieb untätig auf dem Rasen liegen, die Beine und den Schwanz unter sich geklemmt. Und dann hörte ich die Stimme einer alten Frau über mir: „Ich wusste es, warum habe ich mich belogen? Menschen ändern sich nicht, egal, was man ihnen sagt. . . „

Es gab eine Lücke in Smudges Gedächtnis – sie konnte sich nicht erinnern, was danach geschah. Aber sie wachte auf, als sie eine Schüssel mit warmer, frischer Brühe und dick geschnittenen Fleischstücken vor sich sah. Ihr jüngstes Unglück vergessend, aß sie gierig so viel, dass nur noch die Spitzen ihrer Ohren aus der Schüssel ragten. Und dann spürte ich einen Schwung von Kraft und Hoffnung auf das Beste. Und durch das zufriedene Schnurren hindurch konnte ich kaum die Worte der alten Frau hören: „Was soll man mit dir machen? Wir müssen leben – wir können dich doch nicht allein lassen, so ein Wrack!“

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